DIN ISO/DIS 9001:2014 – eine Kurzanalyse des Standardentwurfs

Die ISO 9001 liegt nun in der weiter „geschärften“ Entwurfsstufe Draft International Standard (DIS) in deutscher Sprache vor. Nun haben alle interessierten Kreise die Gelegenheit, sich über die im Entwurf enthaltenen Änderungen der ISO 9001 zu informieren und diese zu für sich zu bewerten. Damit ist der Zeitpunkt gekommen, zu dem es sich lohnt, sich intensiver mit den Auswirkungen der Änderungen auf das eigene Unternehmen zu beschäftigen.

Die offensichtlichste Neuerung ist die über alle ISO Managementsystemstandards eigeführte Struktur mit 10 Abschnitten und einheitlicher Terminologie und Definitionen, der Annex SL. Änderungen, die sich auf den Annex SL beziehen, sind in der endgültigen Version der ISO 9001, die voraussichtlich im September 2015 erscheinen wird, sehr unwahrscheinlich. Im aktuellen Überarbeitungsprozess prüfen die Normgremien in den nächsten Monaten die Kommentare zur DIS, die sich auf spezifische inhaltliche Themen der ISO 9001 beziehen, und nehmen bei Bedarf weitere Anpassungen vor.

Die folgenden Themen wurden (unter anderem) in die ISO/DIS 9001:2014 neu aufgenommen:

  • Das bessere Verstehen der Organisation und ihres Kontextes (Abschnitt 4),
  • Das explizite Management von Risiken und Chancen für die Organisation in Form eines risikobasierten Ansatzes (in mehreren Abschnitten aufgeführt),
  • Die Anforderungen an die Bestimmung, Aufrechterhaltung und Vermittlung des für die Organisation erforderlichen Wissens Abschnitt 7),
  • Die erweiterte Kontrolle und Einbindung externer Anbieter von bereitgestellten Produkten und Dienstleistungen (Abschnitt 8).

Diese Änderungen bzw. Präzisierungen wurden (unter anderem) in der ISO/DIS 9001:2014 vorgenommen:

  • Die nochmals verstärkte Verpflichtung zur aktiven Beteiligung der obersten Leitung in Bezug auf das Qualitätsmanagement. Die Benennung des „Beauftragten der obersten Leitung“ wird nicht mehr explizit gefordert (Abschnitt 5),
  • Die systematische Weise der Planung von Änderungen des Qualitätsmanagementsystems (Abschnitt 6),
  • Ein neuer Blickwinkel auf die „dokumentierte Information“, mit Anpassungen bei den Anforderungen zum Dokumentenmanagementsystem (Abschnitt 7),
  • Die Verdeutlichung dass die definierten Normanforderungen sich auf Produkte und Dienstleistungen beziehen (Abschnitt 8),
  • Beurteilung und Bewertung der Qualitätsleistung, einschließlich Entwicklungen und Indikatoren im Rahmen der Managementbewertung (Abschnitt 9).
  • Auf den expliziten Begriff der Vorbeugungsmaßnahmen wurde verzichtet, so dass dieser nun in der fortlaufenden Verbesserung zum Ausdruck kommt (Abschnitt 10).

In Bezug auf allgemeine Änderungen kann noch angemerkt werden, dass zusätzlich „informativer Inhalt“ in die ISO/DIS 9001:2014 aufgenommen wurde, indem z.B. die bisher acht Grundsätze des Qualitätsmanagement (ISO 9004, ISO 9000) nun in Form von sieben Grundsätzen im Anhang B aufgelistet sind und im Anhang C auf das ISO 10000-Portfolio der Normen zum Qualitätsmanagement verwiesen wird.

Die Auswirkungen dieser Änderungen und Ergänzungen der neuen ISO 9001 hängen natürlich von der Art der Organisation und dem Reifegrad des Managementsystems ab. Nach der bisherigen Information der ISO, haben zertifizierte Organisationen ab dem Datum der Veröffentlichung (voraussichtlich 2015) drei Jahre Zeit für die Umstellung.

Sie sollten sich jedoch schon vorher mit den Normabschnitten befassen, die komplett neu sind oder an denen Änderungen vorgenommen wurden und diese in einen Umstellungsplan aufnehmen. Informieren und schulen Sie die Qualitätsbeauftragten und internen Auditoren rechtzeitig, damit diese sich auf die Umstellung vorbereiten können. Natürlich sollte auch die oberste Leitung von Anfang an in den Prozess involviert sein.

Hier finden Sie den Link zur neuen DIN ISO/DIS 9001:2014.

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