ISO HLS 4.1 Der Kontext mit internen u. externen Themen

Der abstrakte Begriff „Kontext der Organisation“ hat im Zuge der Einführung der DIN EN ISO 9001:2015 für viel Aufregung gesorgt. Die ISO versucht mit diesem Aspekt der Tatsache gegenzusteuern, dass viele Firmen neben der realen Welt des Unternehmens eine Parallelwelt des Qualitätsmanagements geschaffen haben. Mit der zweiten QM-Welt wollten diese Unternehmen ausschließlich die Forderungen des (OEM-)Kunden befriedigen. Je höher die Ebene, desto weniger haben diese Systeme mit der wirklichen Welt, d.h. mit dem Umfeld des Unternehmens zu tun. Zur Implementierung eines wirksamen Managementsystems ist die umfassende Kenntnis des Umfelds der Organisation von erheblicher Bedeutung. Dieses Phänomen will die Revision 2015 bekämpfen, indem die Unternehmenspraxis durch den Kontext einer Organisation ausgedrückt wird, was die Grundlage für ein lebendiges Qualitätsmanagementsystem schafft.

Der Kontext ist für alle Managementsysteme relevant

Dieser Begriff ist bereits in der „High Level Structure“ (HLS) verankert, die seit 2012 für alle Managementsystemnormen vorgegeben ist. Die Anforderungen zum Kontext sind nun, einheitlich für alle Managementsystemnormen, im Abschnitt 4 bzw. 4.1 angeführt.

Mit dem Kontext wird vom Normanwender gefordert, alle relevanten Aspekte des Umfelds zu bestimmen, die Auswirkungen auf die Planung und Gestaltung des Managementsystems haben. Die Organisation muss die für ihren Zweck bzw. ihre Tätigkeit und ihre strategische Ausrichtung qualitätsrelevanten externen und internen Einflussfaktoren (Themen) bestimmen und Informationen überwachen und überprüfen.Über die Relevanz dieser Themen kann und muss die Organisation selbst entscheiden. Es gibt in der Norm selbst keine konkretisierte Anforderung spezielle Themen als relevant einzustufen, wenn die Organisation diese als nicht relevant befunden hat. Ist es jedoch eindeutig belegbar, dass sich externe und interne Themen des Kontextes auf die o.g. Fähigkeit der Organisation auswirken, sind diese als relevant zu beurteilen.

Die Rahmenbedingungen verändern sich zunehmend schneller

Die Norm greift mit dieser Anforderung die veränderten Rahmenbedingungen unserer hoch-technologischen, vernetzten und globalen Wirtschaft auf, die sich zunehmend rascher und unvorhersehbarer verändern. Explizit für das Thema Qualitätsmanagement liegt der Fokus auf der Beantwortung der Frage:

Wie verändern sich die Rahmenbedingungen, in denen meine Kunden unser Produkt nutzen bzw. unsere Dienstleistung erbracht wird?

Interne und externe Themen verdeutlichen, worauf es ankommt, um die Anforderungen der Kunden und sonstigen interessierten Parteien zu erfüllen. Interne Themen sind z. B. die Produkte und Leistungen oder der Umgang mit den Mitarbeitern des Unternehmens. Der interne Kontext zielt darauf ab, das eigene Unternehmen zu verstehen. Externe Themen betreffen das Umfeld in das ein Unternehmen eingebettet ist. Der externe Kontext zielt auf das Verständnis und die Analyse der Umfeldbedingungen, in denen sich das Unternehmen bewegt, ab. Nur nach Beantwortung dieser Fragen ist die Grundlage für die zukunftssichere Gestaltung des Qualitätsmanagementsystems gegeben. Ändern sich die Rahmenbedingungen – also der Kontext – muss sich auch die Organisation entsprechend verändern und daran anpassen.

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