ISO (International Organization for Standardization)

Die ISO schafft international einheitliche Regeln, wo sonst jedes Land, jede Branche oder sogar jedes Unternehmen eigene „Spielregeln“ hätte. ISO-Normen wirken damit wie eine gemeinsame Sprache: Sie definieren Begriffe, Mindestanforderungen und bewährte Praktiken – z. B. für Qualitätsmanagement, Umweltmanagement oder Informationssicherheit. Das erleichtert Vergleichbarkeit, senkt Reibungsverluste in Lieferketten und unterstützt die Zusammenarbeit über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg.

Für Organisationen sind ISO-Normen zudem ein pragmatisches Werkzeug zur Professionalisierung von Prozessen: Sie fördern stabile Abläufe, messbare Ziele, klare Verantwortlichkeiten und kontinuierliche Verbesserung. ISO selbst beschreibt u. a., dass Standards Unternehmen helfen können, Kosten zu reduzieren, Produktivität zu steigern und Marktzugang zu erleichtern

Wie ist die ISO im weltweiten Kontext eingebettet?

Die ISO ist ein Netzwerk nationaler Normungsorganisationen. Pro Land gibt es grundsätzlich ein ISO-Mitglied, das die Interessen seines Landes in der internationalen Normung vertritt. ISO nennt aktuell 175 nationale Normungsinstitute als Mitglieder. Deutschland wird dabei durch das DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.) vertreten. DIN koordiniert die deutsche Beteiligung an europäischer und internationaler Normungsarbeit.
Wichtig für das Verständnis: Entscheidungen in ISO-Gremien werden über die Mitgliedsorganisationen getroffen – nach dem Prinzip „one country, one vote“ (mit je nach Abstimmungsart definierten Stimmrechten).

Die Rolle der ISO bei der Entwicklung von Managementsystemnormen

Managementsystemnormen (MSS) – z. B. ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001, ISO 50001 oder ISO/IEC 27001 – werden in ISO durch Technische Komitees (TCs) und deren Arbeitsgruppen entwickelt. ISO beschreibt dieses Grundprinzip explizit: Standards entstehen durch Expertengruppen aus aller Welt, organisiert in technischen Komitees, die Inhalte verhandeln und konsensbasiert erarbeiten.
Für Managementsystemnormen kommt zusätzlich ein zentraler „Baukasten“ zum Einsatz: die harmonisierte Struktur (früher häufig als High Level Structure/Annex SL bezeichnet). Diese sorgt für identische Kapitelstruktur, Kerntext sowie gemeinsame Begriffe/Definitionen in Managementsystemnormen – damit Organisationen mehrere Systeme leichter integrieren können (z. B. QM + UM + ISMS).

Zuständige Arbeitsgremien für QM, UM, SGA, EnMS und Informationssicherheit

Im ISO-System werden Normen jeweils einem zuständigen Komitee zugeordnet. Für die von Ihnen genannten Themen sind insbesondere diese Gremien relevant:

  • Qualitätsmanagement (QM) – ISO 9001
    Zuständig: ISO/TC 176 / SC 2 (Quality systems) (u. a. verantwortlich für ISO 9001).
  • Umweltmanagement (UM) – ISO 14001
    Zuständig: ISO/TC 207 / SC 1 (Environmental management systems) (u. a. verantwortlich für ISO 14001).
  • Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) – ISO 45001
    Zuständig: ISO/TC 283 (Occupational health and safety management) (laufende Weiterentwicklung von ISO 45001).
  • Energiemanagement (EnMS) – ISO 50001
    Zuständig: ISO/TC 301 (Energy management and energy savings).
  • Informationssicherheit (ISMS) – ISO/IEC 27001
    Zuständig: ISO/IEC JTC 1 / SC 27 (Information security, cybersecurity and privacy protection). Innerhalb von SC 27 ist insbesondere WG 1 (Information security management systems) für die ISO/IEC-27001-Familie relevant.

Wie kann bei der Normentwicklung mitgewirkt werden?

Die Mitwirkung läuft in der Praxis fast immer über das nationale Normungsinstitut (in Deutschland: DIN) und dessen Spiegelgremien (National Mirror Committees). Dort werden nationale Positionen vorbereitet, Expertinnen und Experten benannt und Kommentare zu Entwürfen erarbeitet.

Typische Wege der Beteiligung:

  • Mitarbeit in nationalen Spiegelgremien
    Sie bringen Fachpraxis ein (z. B. aus Beratung, Industrie, Zertifizierung, Wissenschaft) und helfen, nationale Kommentare/Positionen zu Entwürfen zu formulieren.
  • Kommentierung und Abstimmungen in Entwurfsphasen
    Kommentare werden u. a. in Konsultations- und Abstimmungsphasen wie NP, CD, DIS/FDIS eingebracht (je nach Projektstatus).
  • Einreichen neuer Normungsvorschläge / Projekte
    In vielen Systemen kann „von außen“ ein Normungsvorhaben angestoßen werden; DIN weist z. B. darauf hin, dass grundsätzlich jeder einen Vorschlag für eine neue Norm einreichen kann (unter Beachtung der Regeln/Prozesse).

Praktischer Hinweis: Für interessierte Unternehmen ist der niedrigschwellige Einstieg häufig Spiegelgremium + Kommentierung – also mit überschaubarem Aufwand, aber hohem Einfluss auf Praxistauglichkeit (Begriffe, Nachweise, Umsetzbarkeit).

Häufige Fragen zur ISO

Was ist die ISO (International Organization for Standardization)?
Die ISO ist eine internationale Organisation, die weltweit anerkannte Normen entwickelt und veröffentlicht. Sie arbeitet als Netzwerk nationaler Normungsinstitute, damit Standards international konsistent sind und von Organisationen in verschiedenen Ländern einheitlich angewendet werden können.
Warum sind ISO-Normen für Unternehmen wichtig?
ISO-Normen liefern bewährte, international abgestimmte Anforderungen und Leitlinien – z. B. für Prozesse, Managementsysteme und Nachweise. Das hilft Unternehmen, Abläufe zu standardisieren, Qualität und Effizienz zu erhöhen und die Zusammenarbeit in Lieferketten sowie den Zugang zu Märkten zu erleichtern.
Wie entstehen ISO-Normen und wer entscheidet darüber?
ISO-Normen werden von Expertengruppen in technischen Komitees entwickelt und über die nationalen ISO-Mitgliedsorganisationen abgestimmt. Entscheidungen erfolgen grundsätzlich nach dem Prinzip „ein Land, eine Stimme“, wobei Stimmrechte je nach Abstimmungsstufe geregelt sind.
ntwickelt und zertifiziert die ISO auch Unternehmen?
Die ISO entwickelt und veröffentlicht Normen, zertifiziert aber keine Unternehmen und stellt keine Zertifikate aus. Zertifizierungen werden von unabhängigen, externen Zertifizierungsstellen durchgeführt.
Wie kann man an der Entwicklung von ISO-Normen mitwirken?
Mitwirkung erfolgt typischerweise über das nationale Normungsinstitut (z. B. DIN in Deutschland) und dessen Spiegelgremien. Dort können Fachleute Entwürfe kommentieren, nationale Positionen mitgestalten und – je nach Rolle – auch in internationalen Arbeitsgruppen mitarbeiten.