Ein SGA-Managementsystem (SGA-MS) ist der strukturierte Ansatz, mit dem ein Unternehmen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit systematisch steuert – vergleichbar mit Qualitäts- (ISO 9001) oder Umweltmanagement (ISO 14001).
Hauptziele und Nutzen eines SGA-MS für das Unternehmen
Ein Managementsystem für Sicherheit und Gesundheitbei der Arbeit (SGA-MS) verfolgt aus fachlicher Sicht mehrere Kernziele:
- Vermeidung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren
- Systematische Gefährdungsbeurteilung und wirksame Maßnahmensteuerung
- Rechtskonformität und nachweisbare Erfüllung von Pflichten (Compliance)
- Verbesserung der Sicherheitskultur und stärkere Beteiligung der Beschäftigten (Mitwirkung)
- Wirksames Notfall- und Ereignismanagement (inkl. Lernen aus Beinahe-Unfällen
Aus betriebswirtschaftlich/strategischer Sicht ergibt sich typischerweise der folgende Unternehmensnutzen :
- Weniger Ausfallzeiten, Störungen und Folgekosten (Unfälle, Produktionsstillstand, Ersatzpersonal)
- Stabilere Prozesse durch standardisierte Abläufe (z. B. Instandhaltung, Änderungen, Fremdfirmensteuerung)
- Bessere Position in Ausschreibungen/Lieferketten (Kundenanforderungen, Pre-Qualification)
- Geringeres Haftungs- und Reputationsrisiko durch dokumentierte Sorgfalt
- Synergien in integrierten Managementsystemen (IMS) dank kompatibler Struktur (Annex-SL-Logik in ISO-Normen)
Ziel ist nicht „Papier“, sondern ein belastbares Führungs- und Steuerungssystem: Risiken erkennen, geeignete Schutzmaßnahmen wirksam umsetzen, Compliance nachweisen, Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen verhindern und die Organisation resilienter machen. In der Praxis ist ein SGA-MS besonders wirksam, wenn es in die täglichen Führungs- und Betriebsprozesse integriert ist (Führung, Planung, Einkauf, Instandhaltung, HR, Unterweisung, Änderungen/Projekte, Fremdfirmen).
Historie des SGA-MS
Erste frühe Ansätze im Bereich Arbeitsschutz waren lange primär regel-/vorschriftengetrieben (gesetzliche Pflichten, Unfallverhütungsvorschriften). Die nachfolgende Aufzählung zeigt die Entstehung systematischer Konzepte:
- Systemorientierung: Mit zunehmender Komplexität (Technik, Chemie, Fremdfirmen, Globalisierung) entwickelte sich der Management-Ansatz: weg von Einzelmaßnahmen hin zu „Plan-Do-Check-Act“ und Prozesssteuerung.
- OHSAS 18001 (2007): Über viele Jahre verbreiteter Standard für Arbeitsschutzmanagementsysteme (international, aber nicht ISO).
- ISO 45001 (seit 2018): Die Zertifizierungsnorm ISO 45001 löste OHSAS 18001 als internationalen Standard ab; der akkreditierte Übergang wurde in der Praxis über definierte Migrationsregeln gesteuert.
- Aktuelle Erweiterungen/Schwerpunkte: Neben klassischer Arbeitssicherheit gewinnen Themen wie psychische Belastungen und Wohlbefinden an Bedeutung; hierzu existieren ISO-Leitfäden wie ISO 45003 (psychosoziale Risiken) als Ergänzung zur ISO 45001.

Ist ein SGA-MS Pflicht für eine Organisation?
Ein zertifiziertes SGA-MS (z. B. ISO 45001) ist in Deutschland in der Regel nicht gesetzlich verpflichtend. Verpflichtend sind jedoch umfangreiche Arbeitsschutz-Pflichten, die sich inhaltlich sehr gut durch ein SGA-MS systematisch erfüllen und nachweisen lassen.
Gesetzliche Anforderungen:
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Grundpflichten des Arbeitgebers, Organisation des Arbeitsschutzes, Gefährdungsbeurteilung als Basis.
- Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG): Verpflichtung zur Bestellung von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit.
- DGUV Vorschrift 1 („Grundsätze der Prävention“): Unternehmerpflichten zur Verhütung von Arbeitsunfällen/Berufskrankheiten und wirksamer Erste Hilfe (Unfallversicherungsträger).
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): Gefährdungsbeurteilung und sichere Verwendung von Arbeitsmitteln.
- Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV): Anforderungen an das sichere Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten.
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV): Gefährdungsbeurteilung/Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen.
Kunden-/Marktanforderungen:
In vielen Lieferketten wird ein nachweisbar wirksames Arbeitsschutzsystem gefordert (Audit-/Fragebogenanforderungen), teils explizit ISO 45001 oder alternativ branchenspezifische Nachweise. Insbesondere bei Fremdfirmen/Contractors und in Industrieparks wird häufig SCC (SGU-Nachweis) verlangt.
Strategische Anforderungen:
Ein SGA-MS kann, über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, eine strategische Notwendigkeit sein, um Compliance sicherzustellen, wirtschaftlich zu bleiben und Markt-/Lieferantenanforderungen zu erfüllen.
Aufbau und Funktion eines SGA-MS nach ISO 45001
Die ISO 45001 folgt der „Harmonized Structure“ und lässt sich dadurch gut mit ISO 9001/14001 integrieren. Kernelemente:
- Kontext der Organisation: interne/externe Themen, interessierte Parteien (z. B. Mitarbeitende, Behörden, Kunden), Geltungsbereich
- Führung: Verantwortung der obersten Leitung, Politik, Rollen/Befugnisse, aktive Einbindung der Beschäftigten
- Planung: Chancen/Risiken, Gefährdungen, Rechts- und andere Anforderungen, Ziele und Programme
- Unterstützung: Ressourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation, dokumentierte Information
- Betrieb: operative Steuerung, Hierarchie der Schutzmaßnahmen, Beschaffung, Fremdfirmen, Änderungsmanagement, Notfallvorsorge
- Bewertung der Leistung: Monitoring/Messung, Compliance-Bewertung, interne Audits, Managementbewertung
- Verbesserung: Ereignis-/Abweichungsmanagement, Ursachenanalyse, Korrektur- und Verbesserungsmaßnahmen
Die Normlogik der ISO 45001 macht aus einzelnen Maßnahmen (Unterweisung, PSA, Betriebsanweisungen, Prüfungen) ein steuerbares System mit klaren Verantwortlichkeiten, Wirksamkeitskontrolle und kontinuierlicher Verbesserung.
Welche SGA-MS-Standards sind neben ISO 45001 noch bekannt?
Je nach Branche/Region sind u. a. relevant:
- ILO-OSH 2001 (Leitlinien): Internationale Leitlinien der ILO für Arbeitsschutzmanagementsysteme (kein ISO-Zertifizierungsstandard, aber fachlich anerkannt).
- ANSI/ASSP Z10 (USA): Managementsystem-Standard für Occupational Safety & Health (regional geprägt).
- SCC/SCC* / SCP/SCCP (SGU-Systeme): In der Praxis häufig bei Auftragnehmern/Fremdfirmen (Industrieparks, Anlagenbau etc.); dient als Nachweis gegenüber Auftraggebern.
- Berufsgenossenschaften (wie BG BAU, BGETEM, BGN) bieten branchenspezifische Hilfen, Leitfäden (z.B. den Nationalen Leitfaden)und oft ein Begutachtungsverfahren mit Gütesiegeln an, um die Einführung zu unterstützen und die Wirksamkeit zu überprüfen.
Wie führe ich ein SGA-MS ein?
- Projektstart & Scope
Geltungsbereich, Standorte, Tätigkeiten, Schnittstellen (Fremdfirmen, Leiharbeit, Baustellen). Rollen: Top-Management-Sponsor, SGA-Beauftragte/r, SiFa, Betriebsarzt, Prozessverantwortliche. - Status-/Gap-Analyse
Abgleich Ist-Stand vs. ISO 45001 und vs. Rechtskataster (Compliance-Check).
Reifegradbewertung: Dokumentation, Wirksamkeit, Kennzahlen, Kultur. - Rechts- und andere Anforderungen
Rechtskataster aufbauen/aktualisieren, Verantwortlichkeiten und Nachweisführung definieren.
Kundenanforderungen (z. B. SCC/ISO 45001) integrieren. - Gefährdungsbeurteilung & Risikosteuerung
Methodik harmonisieren (Tätigkeiten, Arbeitsmittel, Gefahrstoffe, psychische Belastungen).
Maßnahmen nach Wirksamkeitsprinzip (TOP-Prinzip/Hierarchie der Schutzmaßnahmen), Termin-/Budget-/Verantwortungslogik. - Systemdesign & Dokumentation „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“
Kernprozesse: Unterweisung/Kompetenz, Begehungen, Ereignismeldung, Notfallmanagement, Änderungen, Beschaffung, Fremdfirmen.
Dokumentierte Information schlank, aber audit-/nachweisfähig. - Umsetzung & Befähigung
Führungskräftetraining, Unterweisungskonzept, Kommunikationsplan.
Kulturbausteine: Sicherheitsgespräche, Beinahe-Unfall-Meldung, Lessons Learned. - Wirksamkeitsprüfung
Kennzahlen (Leading & Lagging), Compliance-Bewertung, interne Audits, Managementbewertung.
Korrekturmaßnahmen mit Ursachenanalyse. - Zertifizierung (optional)
Stufe-1-Audit (Systemreadiness/Dokumente), Stufe-2-Audit (Wirksamkeit vor Ort), jährliche Überwachung, Rezertifizierung.
Welche und wie viele akkreditierte Zertifizierungen bestehen aktuell für SGA-MS?
Die zentrale, international anerkannte akkreditierte Zertifizierung für SGA-Managementsysteme ist die ISO 45001 (Zertifizierung durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle). Die ISO erläutert, dass die ISO-Survey-Zahlen auf Daten aus IAF CertSearch (akkreditierte Managementsystem-Zertifizierungen) basieren.
Laut ISO Survey 2024 existieren weltweit 542.527 ISO-45001-Zertifikate (und 941.546 „Sites“).
Deutschland: 45.983 ISO-45001-Zertifikate (Top-5 weltweit in der ISO-Survey-Auswertung).
Frühere Surveys (z. B. Survey 2023) zeigen deutlich niedrigere Zahlen (z. B. 185.166 ISO-45001-Zertifikate weltweit). Unterschiede ergeben sich u. a. aus Methodik/Datenerhebung und dem Übergang auf IAF-CertSearch-basierte Daten.
In Deutschland erfolgt die Akkreditierung von Zertifizierungsstellen u. a. über die DAkkS; die DAkkS verweist hierfür auf ihre Datenbank akkreditierter Stellen (Zertifizierungsstellen für Managementsysteme nach ISO/IEC 17021-1).
So unterstützt Sie die Know-NOW GmbH bei der Einführung eines SGA-MS
Die Einführung eines wirksamen Managementsystems für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ist für viele Unternehmen eine organisatorische und fachliche Herausforderung. Die Know-NOW GmbH flankiert diesen bei der Einführung, mit den entsprechenden Produkten – vom Kick-Off bis zur kontinuierlichen Verbesserung. Sie finden in unserem Webshop praxisorientierte Produkte aus über 20 Jahren Erfahrungn im Aufbau effizienter Managementsysteme. Unsere Unterstützung umfasst u. a.:
In unserem Webshop finden Sie alle erforderlichen Dokumente für Ihr SGA-MS:
Von der SGA-Politik über Verfahrensanweisungen und Audit-Formularen. Wir liefern praxisnahe, auditkonforme Vorlagen oder erstellen sie individuell nach Ihren Bedürfnissen.
Schulung und Kompetenzaufbau:
Ergänzend finden Sie Trainings zu Methoden, Verfahren, Audits und Anforderungen der ISO 45001, damit das System verstanden und akzeptiert wird.
Interne Audits und Managementbewertung:
Auch hierzu erhalten Sie in unserem Shop alle notwendigen Dokumente zur Überwachung und Bewertung Ihres SGA-MS.
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